Dienstag, 8. März 2011

Sammelstücke des Alltags

In meiner Umhängetasche habe ich stets ein kleines hellblaues Büchlein dabei von Moleskine. Damit mir die Ereignisse nicht durch die Lappen gehen. An meinen Aufzeichnungen will ich euch teilhaben lassen.

Sammelstück des Alltags 1:
Als ich letzte Woche an der Kasse bei Lidl stand, da war direkt vor mir eine Frau dran, die zwei oder drei Brötchen kaufen wollte. Sie zahlte den Betrag in 1 Cent-Stücken! Die Kassiererin blieb ganz gelassen und zählte alles nach. (Wer sollte es schon morgens um 9.30 Uhr in Deutschland eilig haben?) Derweil ging die Frau zur Tür raus.
Ich: „Sieht aus wie aus einem Glas für Brautschuhe.“ Die Kassiererin schaute der Frau hinter her. Sah dann mich an und schmunzelte: „Hat wohl aufgegeben.“ Ich bin vor Lachen aus dem Laden gekugelt.


Sammelstück des Alltags 2:Neulich im Drogerie-Markt meiner Wahl stehe ich und suche. Hinter mir gehen zwei Jungs (Teenager) vorbei. Sagt der eine: “Alter ey, die haben mir hier nicht mal Mon Chérie verkauft.“ Der andere Junge: “Weil Du noch keine 16 bist?“ „Yo Mann, dabei wollte ich die doch nur verschenken. MON CHÉRIE !!, Alter.“
Wahrscheinlich waren die Pralinen für Mama oder Opa zum Valentinstag. Mädels von heute essen doch wohl keine Mon Chérie? Oder? Ich mag die nicht und heute esse ich die eh nicht mehr, weil ich keinen Alkohol zu mir nehme, aber meine Schwester könnte die tonnenweise verdrücken. Allerdings, sagt sie, hat man schnell einen im Kahn…


Sammelstück des Alltags 3:Als mir die Friseurin letzte Woche die Farbe aus den Haaren wusch, bemerkte ich nur aus dem Augenwinkel und an dem Luftzug, dass an mir jemand vorbei ging. Zwei junge Friseurinnen vermute ich den Stimmen nach. Die eine: „Und? Warst Du shoppen?“ Die andere antwortet lapidar: „ Nö, ich habe mir nur eine Handtasche gekauft.“

Sammelstück des Alltags 4:

Hier in Bremen gibt es die „Bürgerpark-Tombola“ zwei Mal im Jahr und man kann für einen Euro ein Los ziehen und nette Dinge gewinnen. Auto, Kreuzfahrten und ähnliches. Aber eben auch andere Dinge. Meine Kollegin P. erzählte die Tage, dass sie sich die Chance auf ein Auto nicht verbauen wollte und somit ein Los zog. Gewinn! Sie also in der Mittagspause hin zu einem der Holzhäuschen, wo man den Gewinn abholen kann. Sie: „Was habe ich gewonnen? NA? 6 Flaschen Faxe!! Und dann habe ich nicht mal eine Tüte dabei!“
(Faxe ist Bier. Als Info für die WeintrinkerInnen).

Als ich das meiner Freundin B. erzählte rückte diese damit raus, dass sie mittlerweile auf dem Rückweg mit dem Fahrrad über den Hauptbahnhof fährt, um evtl. "Gewinne" wie Bierflaschen, riesige Cornflakes-Packungen und ähnliches sicher und versteckt nach Hause zu bringen.

Sammelstücke des Alltags 5:
Morgens esse ich (natürlich um 9.30 Uhr) mein zweites Frühstück. Seit langem sitzt eben Kollegin P. mir gegenüber. Da ich zum Essen immer nach rechts rausrutsche, um Tastatur, Maus und Unterlage nicht einzusauen hat sie mich voll im Blick.


Ich kann keine Ei-Bötchen essen. Und wenn man es genau betrachtet auch keine Honig-Brötchen. Das Ei purzelt fast jeden Tag vom Brot auf das Brett oder den Tisch. Im schlechtesten Fall auf die (schwarze) Hose oder den Fußboden. Mittlerweile bin ich dazu übergegangen das Brötchen aufzuschneiden, mit etwas Margarine zu beschmieren und das gekochte Ei vorsichtig zu entpellen und in vier - möglichst gleichgroße - Scheiben zu schneiden. Das Roggenbrötchen ist so praktisch quadratisch. In allen vier Ecken soll Ei drin stecken….ordentlich Salz drauf, weil ich das so mag und ganz vorsichtig die beiden Hälften wieder zueinander führen… herzhaft reinbeißen und … plopp…

Meine Kollegin fühlte sich dazu ermutig mir mit zuteilen, dass ich froh sein kann, dass ich kein Mann bin. Ich stutze. Hä? Sie antwortete trocken: „Währest Du ein Mann, Oona, und würdest Du eine Krawatte tragen, dann könnte man auf der sehen, was es die letzten drei Tage zu essen gab.“

Wo sie Recht hat, da hat sie Recht. Doch heute am internationalen Frauentag und auch sonst bin ich ganz zufrieden eine Frau zu sein.