Sonntag, 29. Januar 2012

eine kleine Geschichte

Ich finde sie so anrührend, dass ich sie euch abgetippt habe. 
Die Originalquelle ist nicht bekannt. 


Die Geschichte vom Sprung in der Schüssel

Es war einmal eine alte chinesische Frau, die zwei große Schüsseln hatte, die von den Enden einer Stange hingen, die sie über ihren Schultern trug. Eine der Schüsseln hatte einen Sprung, während die andere makellos war und stets eine volle Portion Wasser fasste. Am Ende der langen Wanderung vom Fluss zum Haus der alten Frau war die andere Schüssel jedoch immer nur noch halb voll.

Zwei Jahre lang geschah dies täglich: die alte Frau brachte immer nur anderthalb Schüsseln Wasser mir nach Hause. Die makellose Schüssel war natürlich sehr stolz auf ihre Leistung, aber die arme Schüssel mit dem Sprung schämte sich wegen ihres Makels und war betrübt, dass sie nur die Hälfte dessen verrichten konnte, wofür sie gemacht worden war.

Nach zwei Jahren, die ihr wie ein endloses Versagen vorkamen, sprach die Schüssel zu der alten Frau.“ Ich schäme mich so wegen meines Sprungs, aus dem den ganzen Weg zu deinem Haus immer Wasser läuft.“

Die alte Frau lächelte. „Ist dir aufgefallen, dass auf deiner Seite des Weges Blumen blühen, aber auf der Seite der anderen Schüssel nicht? Ich habe auf deiner Seite des Pfades Blumensamen gesät, weil ich mir deines Sprungs bewusst war. Nun gießt du sie jeden Tag, wenn wir nach Hause laufen. Zwei Jahre lang konnte ich diese wunderschönen Blumen pflücken und den Tisch damit schmücken.
Wenn du nicht genauso wärst, wie du bist, würde diese Schönheit nicht existieren und unser Haus beehren“.

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Donnerstag, 5. Januar 2012

Kind und Mutter im Schwimmbad - eine Herausforderung

Zwischen den Aqua-Fitness-Kursen sind 15 Minuten Pause. Die Kinder stürmen das kleinere Schwimmbad, welches durch Glasscheiben von den anderen Becken abgetrennt ist. Mütter und Väter kommen mit den kleinsten Kindern herein. Die Logik erschließt sich mir nicht, denn alle müssen nach 10 Minuten das Becken verlassen. Nun ja.

Eine Frau mittleren Alters hatte ihre Tochter mit Schwimmflügeln und einer Schwimm-Nudel an der Wasser-Oberfläche gesichert. Das Mädchen war um die 8 Jahre und sehr zart. Deutlich war an ihrem Aussehen und ihrem Verhalten zu erkennen, dass sie eine Behinderung hat. 
Vor allem aber hatte sie viel Freude. Durch die Schwimmbad-Decke kann man in den Himmel sehen. Da es schon dunkel war, konnte man sich gespiegelt von der Dachfensterscheibe selbst sehen. Ihr gefiel das.

Die Trainerin kam und rief alle aus dem Becken, weil der Kurs gleich losgehen sollte. An der Treppe hatte die Mutter ein Problem. Wie das Kind sicher aus dem Becken bekommen und die gelbe Schwimmnudeln mitnehmen. Sie blickte umher. Der andere Teil der Familie war scheinbar woanders.

So ergab es sich, dass ich den beiden in ganz langsamem Tempo das Schwimmgerät hinterher trug. Was für eine Anstrengung für die Mutter ihre Tochter mit ihren Spastiken aufrecht zu halten. Ich habe mich nicht angeboten zu helfen, weil ich glaube, da wäre ich ihnen zu nahe getreten. Sie sagte, dass sie große Sorge hatte noch einmal auszurutschen, und irgendwie kann sie ihren Mann nicht sehen. Das Mädchen lief barfuß und hing eher in ihren Armen. Schwankte.

Auf dem Weg zu den Duschen kamen mir zwei Frauen und drei kleine Kinder entgegen in Richtung Schwimmbecken. Der Junge mag vier gewesen sein. Ihm lief aus den schwarzgelockten nassen Haaren das Haarshampoo ins Gesicht. Das irritierte mich. Er wischte sich den Schaum aus den Augen. Wieso wäscht die Mutter dem Kind vorher die Haare, und dann nicht gründlich aus? Das brennt doch in den Augen! Einen kurzen Moment später kam eine Frau aus dem Duschraum gelaufen und rief ihr Kind. Ich dachte: „So schnell geht einer ein Kind verloren. Im Schwimmbad.“

Im Duschraum legte ich die Nudeln an die Seite. Die Mutter mit der Tochter im Arm sah sehr müde aus. Ich verabschiedete mich und ging zurück zum Kurs. Mir kam die vorher rufende Mutter entgegen. Sie hatte den Jungen mit dem Schaum in den Haaren an der Hand. Ich musste lachen. Sie hat ihm wohl die Haare nach dem Schwimmkurs gewaschen und der Lütte ist stiften gegangen. Unbeobachtete Momente gibt es ja viele.

Später dachte ich an die Frau mit ihrer Tochter. Wie mutig mit einem Kind mit besonderen Bedürfnissen in dieses Wuhling von Menschen zu gehen. Es ist glatt und laut. Schwere Türen und dazu doch noch einiges an Stufen. Plötzlich allein mit der Tochter. Ich sah ihren müden Blick wieder vor Augen. Ich weiß. Das ist nur eine Momentaufnahme und ich weiß absolut gar nichts.

Montag, 2. Januar 2012

"Es schneit in meinen Gedanken..."

das sang schon Reinhard Mey. Ob er das gemeint hat, was ich meine? Ich muss mir das Lied noch einmal anhören. Bei mir sind es Flocke für Flocke kleine Bruchteile von Geschichten. Wahren und nicht so passierte. Erinnerungen oder Ideen für mein öffentliches Tagebuch.
Worte, die sich in meinem Kopf zu schönen, lustigen, anspruchslosen oder erklärungsbedürftigen und mich selbst begeisternden Sätzen zusammen finden. Bilder entstehen lassen. Träume und innere Plätze über die Zeit und den Raum hinweg.

Als ich heute Morgen aus meinem Bett stieg – ich hatte den Wecker bzgl. der Reiki-Behandlung überhört -, da war mir nach einem ruhigen Morgen und nach Frühstück!
Da fällt mir gerade ein Gedicht ein von Herrn Ringelnatz, welches ich seit vielen Jahren kenne und liebe:

Aus meiner tiefen Seele zieht
mit Nasenflügelbeben
ein ungeheuer Appetit
nach Frühstück und nach Leben


Schön, oder??

Ach, meine Schnee-Gedanken müssen warten. Die Schreibzeit für heute ist um. 

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