Sonntag, 27. Oktober 2013

P*aris war eine Frau

Den Blättern beim Segeln zuzuschauen ist eine meiner ausgewählte Tätigkeiten für heute. Vom Schreibtisch aus schaue ich raus in die Baumkronen. Die Platanen (?)  in meiner Straße schmeißen ihre großen, gelbgrünen Blätter ab. Die Form ist die vom Ahron, aber eben mutiert. Der heftige Wind – die Vorläufer des Sturmtiefs der nächsten Tage sind da – bläst gewaltig in die Kronen und die Äste jeglichen Umfangs schlagen durch den Wind wie Peitschen. 
Gut, dass ich nicht raus muss und einfach die segelfliegenden Blätter auf ihrem Weg ins Ungewisse von drinnen beobachten kann. Manchmal bringen kurze Momente von Sonnenlicht das Ganze zum Leuchten. Das ergibt wilde Muster und Bewegungen auf meinen gelben Sofa. 
Der Sichtschutz, welchen ich an meinem Balkon angebracht habe, wird zum ersten Mal richtig erprobt.

Während ich gucke, kann ich gleichzeitig schreiben. 
Meinen Merkzettel hervorkramen. 
* Strumpfhosen, * Café, * Tarte, * Buch, * ostfriesische Nachrichten, * flirten, * Rückruf, * Liebe, * schwingend, * Rock, * Geschirr (italienisches), * Hospiz, * Bilder/Chipkarte, * Couchsurfing-Frust, * TimM, * Österreich / Wien, * Kalender, * Schottland, * Meer/ Sanddorn... * Weihnachten, *und ganz sicher habe ich noch die Hälfte vergessen. 
(Hier im Post erledigte Punkte wurden am Ende durchgestrichen.)

Meine Schwester wollte einen Termin für einen Besuch bei ihr ausmachen. Kurzfristig entschloss ich mich am nächsten Tag zu ihr zu kommen (weil unseren Eltern auch kamen), damit sie endlich das Geburtstagsgeschenk von mir bekommt. In den Buchläden hatte ich die Tage das neue Taschenbuch von Ne*le Ne*uhaus gesehen, welches A. schon lange haben möchte. Noch hatte es ihr keiner geschenkt. Zu dem Loop, welchen ich ihr in ihren Farben strickte, passt noch ein Buch in die Geschenktasche.

Also machte ich mich am Donnerstagmittag auf den Weg zu meinem Lieblingsbuchladen, um das von meiner Schwester so gewünschte Buch zu kaufen. Ich war mir ziemlich sicher, dass der Laden das Buch hat und so war es. Praktischerweise kann ich mir das Buch nach ihrem Lesegenuss ausleihen… hihihi…
Draußen war ein wunderbares Wetter mit Sonne und einer angenehmen Temperatur. Leichter Wind und gepuffte Wölkchen am Himmel. Ich trug zum ersten Mal den braunen Cord-Rock und meinen neuen tannengrünen Pullover. Enganliegend  :O) Dringend brauche ich eine passende Herbst- und Winterjacke. Zu große Jacken halten eben nicht warm.

Im Grunde der perfekte Auftritt für mein ersten Besuch in dem nagelneuen Café des Kinos. Direkt neben eben meinem Buchladen „M*elchers“. Es hat sehr lange gedauert bis das endlich fertig wurde. Das Café hat einen Pariser Caféhaus-Stil mit eben der typischen Einrichtung. Mit dunklem Holz (welches ich so mag), Parkett-Fußboden, geräumig schlicht, mit einer gemütlichen, durchgehenden Sitzbank in schokobraun an der Wand.
Sehr viele große, hohe Außenscheiben und davor die typischen Stühle und Tische aus Paris. Innen gibt es diese schöne Caféhaus-Musik und an den Wänden Schwarzweiß-Fotografien von SchauspielerInnen. Dazu das Bild mit dem Foto von einer meiner Lieblingspostkarten „Paris war eine Frau“. Mit den  zwei  Frauen   (klick drauf), die vor einem Pariser Café in den 1920 iger Jahren sitzen.

Wo war ich? Richtig. Kuchen. In dem Tresen ist eine kleine Kuchenvitrine eingelassen, wo es Zitronen-Tarte und Schokoladenkuchen gibt oder kleine herzhafte Leckereien.

Mein Platz war klar auf der ledernden Sitzbank mit der Wand im Rücken. So hatte ich einen guten Blick über alles. Die Bedienung muss noch an sich arbeiten. Unbedingt was an der Kleidung tun. SO kann einer da nicht bedienen. Finde ich. Das ist nicht das „Viertel“ oder die „Schanze“ in Hamburch :O). 
Außerdem müssen sie an der Zugluft arbeiten. Da sie gerade mit dem Bau fertig geworden sind, kann ich verstehen, dass noch gelüftet werden muss. Ein büschen kuscheliger wäre netter. Deswegen trank ich zur Probe „nur“ einen Cappuccino. Der schmeckte ganz gut und ich schrieb ein wenig in mein Heft. Die Zitronen-Tarte werde ich auf jeden Fall an einem meiner mutigen Tage probieren.

Ein älterer Herr betrat das Café mit der "Süddeutschen" in der Hand. Setzte sich neben mich auf die Bank und fragte: „Ist das hier mit Bedienung?“ Ich antwortete: „Meinen Cappuccino habe ich am Tresen bestellt, aber rufen Sie doch einfach:“ Das hörte ein Mann, der die ganze Zeit in dem Café schon überall rumwuselte (ich vermute den Inhaber) und der sagte: „Wenn es hier nächste Woche die Schürzen gibt, wird es wohl deutlicher.“ Der junge Mann hinter dem Tresen schlenderte zu dem Herrn mit Zeitung und nahm die Bestellung auf.

Im hinteren Bereich gibt es noch mehr Stühle und die Kinokasse. Von da geht es in das alte (vor Jahren renovierte) Kino mit großen, roten Sesseln und eben noch dieser „alten“ Kino-Atmosphäre. Jetzt bin ich mit dem Kinotag auf dem Laufenden und gehe ich demnächst wieder einen Film schauen. Meine Kino-Begleiterin ist gerade in Portugal, aber dann…

Es ist lustig, wie sich manchmal die Dinge fügen. Wie sehr mir das Café gefallen hat bemerke ich erneut beim Beschreiben des selbigen. Dann sah ich gestern bei meinen Eltern (als die beiden über Mittag ruhten) eine Folge Sho*ppingQueen in Hamburg. Die Folgen kannte ich nicht und Hamburg ist immer interessant. Jedenfalls hat die Frau zum Thema „Mantel“ ihre Lieblingsläden aufgesucht. In der Sendung „Rund um den Michel“ habe ich vor einiger Zeit schon gesehen, dass es in Hamburg Läden gibt, die Kleidung nur aus dem 1920 ´iger und 30 iger Jahren verkaufen. Also neu angefertigt. Ach! Da geht mir das Herz auf. Dazu noch die Frisuren. Traumhaft. Allein die Ladenbesitzerin zu sehen war ein Erlebnis. Im grauen Tweed-Hosenanzug und dazu diese wellige Frisur.
Huch... der Wind wird zum Sturm und die Wolken werden dunkler. Die Heizung braucht mehr Kraft und ich werde nun beobachten...