Montag, 8. Mai 2017

die ausweitung von sch*merz

Ab Nachmittag nahm der Schmerz im Körper zu. 
Kopfweh, die über den Abend bis in die Nacht schlimmer wurden. Die aufflammenden Schmerzen in den Unterarmen und in den Beinen - ein fließender Schmerz an den Muskeln und Knochen entlang - kenne ich. Jahrelang nicht mehr gespürt. Einfach da. Blieben mehrere Minuten fast konstant da. Bewegen, ausstreichen und ausschütteln. Nichts half. Blieb in den Armen und Beinen präsent. Am späten Abend weiterhin das Glimmen zu spüren. Ganz fein und hauchzart. Jederzeit bereit "aufzuwachen". Atmen, Frau Oona. Atmen!

Irgendwann in den letzten Wochen ist mir bewußt geworden, dass mein bisher ständige Wunsch bzw. mein innerer Druck etwas aus dem eigenen Leben noch zu machen sang- und klanglos verschwunden ist. 
Mich über dem Wasser halten. Mehr schaffe ich nicht. Es ist wie ein seltsames und erleichterndes Annehmen. Hmm... oder eher ein Aufgeben?! Ich habe einiges in meinem Leben gemacht, bewegt, geändert und ein wenig verbessert. Doch es ändert bzw. verbessert sich im Verhältnis dazu zu wenig. 

Einen Sinn habe ich bisher in diesem Kram namens Leben nicht begreifen oder erkennen können. Daran hat die jahrzehntelange Seelen-Arbeit nicht viel geändert. Sätze wie: "Der Sinn des Lebens ist das Leben selbst." bleiben ohne jede Schwingung in mir. 

Ständig sich mit körperlichen und/oder seelischen Schmerzen rumzuquälen, das macht müde und undankbar. Unachtsam. Es macht eine oft ungerecht und es zermürbt den Menschen. Besonders ungut ist es, wenn Sch*merzmittel kaum oder gar nicht wirken. 

Irgendwas lässt mich jeden Tag wieder aufstehen und so tun, als ob es wichtig oder sinnvoll wäre, da zu sein. Wenn ich irgendwann runter bin "vom Hoff", dann ändert sich in der Welt nichts. 
Meine Mutter ist seit ein paar Wochen fort und die dösige Welt geht weiter ihren Gang. Das finde ich sehr befremdlich. 
In mir drin harkt es seit Mitte Januar noch mehr als sonst.

Ihr Schmerz hat endlich aufgehört. 
Meiner wird es eines Tages auch. 

Das ist eine gute und irgendwie beruhigend-tröstliche Aussicht ...





... und bis dahin halte ich meinen Kahn so in den Wind, 
dass ich weiterhin immer eine Handbreit Wasser 
unter dem Kiel habe.   



Kommentare:

  1. Ach, Oona, hoffentlich ist der heutige Tag ein besserer!!
    Schau, wir haben typisches Bremer Schmuddelwetter - da würde man anderenorts drüber staunen und wir kriegen das ganz kostenlos und frei Haus :)

    Der Sinn des Lebens? Naja, jedenfalls ist es keine Generalprobe - man hat nur diesen Versuch. :)

    Ich wünsche dir schmerzfreiere Tage. Und unbeschwertere!

    LG,
    Marie

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    1. Liebe Marie,
      ja... echtes Schmuddelwetter heute und der Wetterbericht von Bremen 1 ist wie immer falsch. :-)

      Die Kopfweh kommen gerade wieder, aber sonst nur wenig Schmerzen.

      Ja. Das ist wahr. Eine sollte in diesem Leben gleich lernen auf der Welle zu surfen. Bevor sie endet.

      Hab einen schönen Tag bei schmuddeligem Schmuddelwetter.
      Ahoi
      Oona

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  2. Dieses Unverständnis, dass sich die Welt einfach weiterdreht, obwohl meine Mama fehlt, das kenne ich nur zu gut. Da sind Kinder in meinem Umfeld, die haben eine Welt "mit ihr" nie kennengelernt... am 03.08. sind es vier Jahre. Und immer wieder fragen mich Leute "Bist Du da immer noch nicht drüber weg?" Aber will ich da drüber weg sein?

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    1. Liebe Maike,
      Danke für Deine Worte.
      Es ist gut zu wissen und sich bestättigt zu fühlen, dass eben jede ihre ganz eigene Trauer hat und damit umgeht.
      Zum Glück bin ich in den letzten 10 Jahren innerlich gewachsen und kann den Verlust "überleben". Gehe meine eigenen Wege.
      Und doch ist es ...hm... anstrengend automatisch so zu tun oder so zu handeln, als wäre einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben nicht gestorben.
      Was mir schwer fällt ist es mir selbst die Zeit zu geben.
      Nach 3 1/2 Monaten ruckelt sich das eine oder andere in eine Annahme oder Ruhe. Aber ansonsten überfällt mich die Trauer täglich in Wellen.

      Ja. Will oder muss eine drüber weg sein/ kommen / wollen / müssen?

      Ahoi
      Oona

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    2. Obwohl ich nicht sehr "kirchenchristlich" bin, hatte ich nach dem Tod meiner Mutter ein gutes Gespräch mit dem Pfarrer. Mir ist heute noch ein Teil dieses Gespräches im Ohr "Wie, wann und wie lange Sie trauern, das kann nur einer steuern: Sie selber. Nehmen Sie sich all die Zeit dazu, die SIE brauchen, nicht die Zeit, die die anderen Ihnen geben wollen."
      Auch nach fast 4 Jahren erwischt mich die Trauerwelle immer mal wieder. Nicht jeden Tag, nicht regelmäßig - aber ja, sie kommmt immer noch...

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